Nächste Termine

  • Keine Termine.
März 2016
M D M D F S S
« Feb   Mai »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  

Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt und Frauenunterdrückung!

Zum Internationalen Frauentag am 8. März dokumentieren wir den Aufruf der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ).imagesSPTAPB7B

Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft ist kein individuelles „Pech“ sondern hat System. Es hil­ft daher nicht, nur an das „Mitgefühl“ von Männern persönlich zu appellieren, sondern die Gewalt muss als Folgeproblem dieser Gesellschaft­, dieser Wirtschaftsform und des Staates der sie absichert, verstanden und bekämpft­ werden.

Im Kapitalismus werden klassische Frauenberufe (z.B. ErzieherIn, Pflegeberufe, KassiererIn) äußerst schlecht bezahlt, sodass für diese Kolleginnen und Kollegen ein eigenständiges Leben mit Kindern nicht möglich ist. Auch in besser bezahlten Berufen haben Frauen schlechtere Chancen: Sexistische Vorstellungen, die Möglichkeit einer Schwangerschaft und die „Babypause“, die meist von Frauen genommen wird, führen zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber den Kollegen. Am Ende ergibt sich in Deutschland zwischen Männern und Frauen ein Einkommensunterschied von durchschnittlich 22%. Frauen fungieren im Kapitalismus häufig als Lohndrückerinnen, was sich negativ auf alle Löhne auswirkt. Billige Frauenarbeit liegt also im Interesse der Konzerne, um die KollegInnen zu spalten.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse fördern weibliche Abhängigkeit und begründen somit ein Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern was letztendlich auch physische und verbale Gewalt gegenüber Frauen begünstigt. Diese Ungerechtigkeit lässt sich nur aufrechterhalten, weil frauenfeindliche Vorstellungen immer noch tief in der Gesellscha­ft verankert sind. Sexismus erfüllt für den Kapitalismus also eine wichtige Funktion. Deshalb kann er auch nur durch die Abschaffung des Kapitalismus endgültig verschwinden.

Alltagssexismus und Macho-Gehabe sind in der Gesellschaft und den Köpfen verankert. Belästigungen in der Öffentlichkeit und sexistische Sprüche im Bekanntenkreis werden als „Flirten“ oder „Witze“ entschuldigt und wer einen kurzen Rock trägt, soll ja bekanntlich selbst schuld sein. In einer solchen Tätergesellschaft werden Täter entschuldigt und Opfern wird die Schuld zugeschoben.

Fast alle Gewaltverbrechen passieren in Beziehungen. Die Frauen kennen die Täter also meist schon vorher (Partnerschaft, Familie, Arbeitskollegen, Bekanntenkreis). Die Hemmschwelle sich zu wehren oder Anzeige zu erstatten ist in diesen Fällen noch höher. Institutionen wie Frauenhäuser können hier helfen, doch sind – wie so viele soziale Einrichtungen – chronisch unterbezahlt. Was keinen Profit abwirft, hat im Kapitalismus natürlich keine Priorität.

Rassismus ist keine Antwort auf Sexismus. Seit den sexistischen Übergriffen in der Silvesternacht am Kölner Hbf werden viele Stimmen laut die, angeblich im Interesse der Frauen, die Abschiebung der ausländischen Täter fordern. Bewusst wird hier Angst vor zunehmender sexualisierter Gewalt durch einreisende Flüchtlinge geschürt. Durch Zahlen ist das nicht belegt. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind in Bezug auf sexualisierte Gewalt statistisch völlig bedeutungslos. Der Anteil der von Ausländern begangenen Straftaten ist nicht gestiegen. Wer meint, dass sexualisierte Gewalt vornehmlich von muslimischen Männern ausgeht, der sei außerdem daran erinnert wie gefährlich der Aufenthalt unter deutschen Christen an Karneval oder beim Oktoberfest für Frauen sein kann.

Selbstverständlich müssen die Täter von Köln zur Rechenschaft gezogen werden, aber eben auf die gleiche Weise wie deutsche Sexualstraftäter. Die Abschiebung “krimineller Ausländer” ist eine rassistische Forderung und Praxis, da sie Personen, je nach Herkunft, in “legale” und “illegal” Menschen einteilt, die unterschiedlich hart bestraft werden. Das verstößt gegen die Gleichheit vor dem Gesetz und gegen die Menschenrechte der Geflüchteten.

Der Staat in dem wir leben schafft nicht die rechtlichen Bedingungen, um Frauen vor Gewalt zu schützen. Rechtliche Verbesserungen mussten schon immer gegen diesen Staat erkämpft­ werden. Beispiele hierfür sind das Wahlrecht für Frauen oder die strafrechtliche Verfolgung von Vergewaltigungen in der Ehe. Erst seit 1997(!) gilt dies als eine Straftat! Und auch heute noch führt der umstrittene § 177 StGB dazu, dass die allermeisten Vergewaltigungen straflos bleiben. „Nein!“ sagen oder Weinen gelten nicht als ausreichende Gegenwehr. Nur wenn die Opfer schwere Verletzungen vorzuweisen haben, kann eine Vergewaltigung zur Verurteilung führen. 2012 führten daher nur 8,4%(!) der angezeigten Vergewaltigungen zu Verurteilungen. Und: Verbale Belästigung oder Stalking kann man nicht einmal anzeigen!

Wir fordern:

•Solidarität gegen Alltagssexismus! Seht nicht weg, wenn vor euch Frauen belästigt oder wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden!
•Änderung des § 177 StGB, sodass jede Vergewaltigung strafbar wird!
•Eine deutliche Aufwertung der Sozial- und Pflegeberufe. Frauen brauchen ein Einkommen, das sie unabhängig macht!
•Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Schluss mit der schlechteren Bezahlung von Frauen!
•Die Sicherheit von Frauen darf nicht zur Rechtfertigung von Rassismus instrumentalisiert werden. Keine Verschärfung des Asylrechts! Gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen!

Gemeinsam gegen Ausbeutung, Sexismus und Gewalt gegen Frauen!

Quelle: SDAJ

KAUM VEREINBAR – Über Familie, Beruf, unsere Interessen und die der Unternehmen

Aus der aktuellen Position: Frauentag Special
Über 90% der Jugendlichen meinen, dass Familie und Kinder gegenüber der Arbeit nicht zu kurz kommen dürfen. 95% finden einen sicheren Arbeitsplatz wichtig. Drei Viertel möchten in get_imgTeilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben. Das sind Ergebnisse der im Januar 2016 veröffentlichten Shell-Jugendstudie. Sie zeigen sehr deutlich, wie wenig junge Menschen davon ausgehen, einen normalen Beruf mit Kindern und Familie unter einen Hut bringen zu können – aus gutem Grund.

Denn Beruf und Familie sind zwei Dinge. Es geht also nicht um „Vereinbarkeit“, sondern „zusätzlich Schaffen“. 75% der Jugendlichen wollen, um das auch zu bewältigen, im Beruf kürzer treten können, indem sie z.B. Stunden reduzieren. Das ist aber erstens nicht immer möglich und geht zweitens auf Kosten des eigenen Lohns und der Aufstiegschancen. Flexibilisierung ist die Lösung – bekommen wir überall erzählt.
Unternehmen würden zunehmend auf die Wünsche ihrer Beschäftigten eingehen und zum Beispiel das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen oder flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten. Dabei versteht sich von selbst: die Arbeitsleistung muss die gleiche bleiben, zumindest wenn man am Ende des Monats die gleiche Summe Geld auf dem Konto haben will. Nur wie dadurch dann mehr Zeit für Familie und Kinder herauskommen soll – das versteht sich nicht von selbst. Denn: egal wie flexibel sie über 24 Stunden, 7 Tage oder 52 Wochen verteilt wird: Die Lohnarbeit bleibt Lohnarbeit und die Kinder bleiben – bei aller Freude die sie auch machen (können) – eben auch Arbeit, nämlich Reproduktionsarbeit. Und so lange letzteres nicht über Kindertagesstätten, Krippen, Horte uvm. flächendeckend gesellschaftlich organisiert wird, bleibt es ein „ich muss das auch noch schaffen“. Damit das überhaupt noch zu schaffen ist, verzichten viele auf Einkommen, insbesondere junge Frauen. Diese jungen Frauen finden sich dann häufig, von einigen Gutverdienenden abgesehen, in irgendwelchen kündigungsschutzfreien lohngedumpten Niedriglohnjobs wieder. Denn dort kann man besonders einfach Teilzeit arbeiten. In sozialversicherungspflichtigen, tarifvertraglich abgesicherten Jobs ist das schon komplizierter. Gerade junge Frauen zahlen damit den Preis für die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“.
Dabei müsste das nicht so sein. Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn – und Personalausgleich und genügend bezahlbare öffentliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Alle sind das, was nötig wäre, um unseren Wunsch, Beruf und Familie vereinbaren zu können, zu ermöglichen.

Damit das möglich wird, müssen wir diejenigen Zwingen, die vom Niedriglohnsektor und individuell organisierter Kinderbetreuung zu Hause profitieren: und die Unternehmen.

Das wäre im vor Allem im Interesse vieler junger Frauen, aber auch junger Männer, denn von denen wünschen sich ebenfalls 60% Kinder – nur 9% weniger als bei den jungen Frauen.

Jan – SDAJ – Position Ausgabe 01-16