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SDAJ in Aktion: Warnstreik im öffentlichen Dienst

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Am Donnerstag fand der mittlerweile 2. Warnstreik im Öffentlichen Dienst statt. Wie auch das letzte Mal war die SDAJ erneut vor Ort um die Forderungen der Streikenden zu unterstützen. Dieses Mal haben wir uns noch mit mehreren Azubis über die aktuellen Tarifverhandlungen und die Situation in den Betrieben und Dienststellen unterhalten und deren Antworten gesammelt, die wir hier anonymisiert veröffentlichen wollen.

Aufgerufen zum Streik waren erneut Beschäftigte aus Verwaltungen, Gerichten, Hochschulen, Studentenwerken, Autobahn- und Straßenmeistereien, Flussmeisterstellen, Wasserwirtschaftsämter, Bauämtern, Theatern und Klinika. Über 3.500 Tarifbeschäftigte und Beamte aus ganz Bayern nahmen an der Demonstration durch das Münchner Univiertel teil und haben anschließend bei einer Kundgebung vor dem Bayerischen Finanzministerium am Odeonsplatz ihren Ärger und ihre Wut zum Ausdruck gebracht. 5,5% mehr Lohn, eine verbindliche Übernahmeregelung, 100 € mehr für Azubis und gleichen Urlaub für alle waren unter anderem die Forderungen. Mittlerweile kam es von Samstag auf Sonntag auch zu einem Ergebnis in den Tarifverhandlungen, dieses entspricht aber nur teilweise den Forderungen der Streikenden. Wie immer heucheln die Arbeitgeberverbände Verständnis, real geht es ihnen aber natürlich darum die Erfolge der Arbeitnehmer so klein wie möglich zu halten. Bei der Frage der tariflichen Eingruppierung angestellter Lehrkräfte gab es kein gemeinsames Verhandlungsergebnis und daher sieht es bei dieser Gruppe nach wie vor so schlecht aus wie zuvor. Aus den 5,5% Lohnerhöhung sind im Durchschnitt 4,83% geworden, aus den 100€ mehr Ausbildungsentgelt nur noch 30€.. Gerade für junge Auszubildende aus München und Umgebung sind viele dieser Forderungen aber essentiell. Anica vom Klinikum der LMU meint dazu: „Die 100€ mehr Ausbildungsentgelt sind mir auf jeden Fall wichtig, klar! München ist teuer und da wir das ganze Material wie Fachbücher und so selbst finanzieren müssen, bleibt am Ende kaum noch was übrig.“ Sophie, eine Kollegin von Anica, sieht das ähnlich: „ Zu den ganzen Materialkosten kommen ja oft noch Fahrtkosten dazu! Kaum einer von uns kann es sich leisten von zuhause auszuziehen und hier in München zu wohnen. Mit den 100€ mehr hätte man zumindestens mal die Möglichkeit noch was zur Seite zu legen oder auch mal öfter wieder am Wochenende feiern zu gehen.“

Aber nicht nur der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle, sondern auch die Regelung der Übernahme.

„Wir wollen eine gesicherte Zukunft haben und nicht am Ende der Ausbildung wie die letzten Deppen ohne Perspektive dastehen“, meinen Nadja, Lukas und Chris, ebenfalls von der LMU. Denn  nur weil man seine Ausbildung abgeschlossen hat, hat man noch lange keinen Arbeitsplatz garantiert.  Auch an der Technischen Fakultät der TU München sieht es kaum besser aus: „Bei uns darf man zwar n halbes Jahr nach der Ausbildung dableiben, aber danach wird man auch rausgeschmissen und hat erstmal keine finanzielle Absicherung“ erzählen uns Thomas und seine 3 Kollegen.

Zum aktuellen Warnstreik waren dieses Mal nur die Beschäftigten des Freistaates Bayern aufgerufen, nicht aber diejenigen, die in kommunalen Einrichtungen arbeiten. Daher sind diese an den aktuellen Tarifverhandlungen auch nicht beteiligt. Darum haben wir nochmal nachgehakt und gefragt ob die streikenden Azubis denn nicht auch gemeinsam mit ihren KollegInnen aus den kommunalen Einrichtungen streiken wollen würden.

„Ja klar, dadurch kann viel mehr erreicht werden und von der Außenwirkung her ist das auch nochmal besser, wenn wir mehr Leute sind“ meint Anica.  Auch Nadja und ihre Kollegen stimmen dem zu: „Unterbezahlung gibt’s genauso bei uns wie auch bei denen. Gemeinsam ist man halt einfach stärker und kann ordentlich Druck auf die Arbeitgeber machen!“ Bei der Erreichung dieses Zieles spielt vor allem der auszuhandelnde Tarifvertrag eine bedeutende Rolle. Denn sofern eine Laufzeit von 12 Monaten beschlossen wird, ergibt sich dadurch auch die Möglichkeit von gleichzeitigen Tarifverhandlungen.

Je länger ein Streik geht, desto mehr stehen die Arbeitgeber natürlich auch unter Druck. Denn ohne auszubeutende Arbeitskräfte läuft halt vor Ort nichts mehr und der Profit bleibt aus. Ein unbefristeter Streik, der den Betrieb schon mal für eine Woche komplett lahmlegen kann, ist zum Durchsetzen von Forderungen daher nochmal deutlich effektiver. Das Problem ist hierbei aber, dass in vielen Fällen dadurch eben, dass das Gehalt ausbleibt und man schnell unter finanziellen Druck gerät, man mehr oder weniger gezwungen ist den Streik auszusetzen.

So ist es zum Beispiel bei Thomas und seinen Kollegen:

„Wollen würden wir schon, aber finanziell siehts dabei einfach zu kritisch aus. Das fehlende Geld merkt man halt sofort.“  Verdi-Mitglieder haben es da etwas leichter, da zumindestens ein Teil des Gehalts als Streikgeld von verdi ausgezahlt wird. So auch bei Anica: „Ja, so ein unbefristeter Streik wäre definitiv ne gute Sache und da ich bei verdi bin, kann ichs mir auch mehr oder weniger leisten“. Aber hier muss man bedenken, dass sich dieser Betrag am Mitgliedsbetrag und grob am aktuellen Einkommen orientiert. Auch schon 10% Prozent weniger Lohn können sich auf das alltägliche Leben schnell auswirken, gerade wenn das Geld sowieso schon knapp ist. Ob man denn nun auch an einem unbefristeten Streik teilnehmen würde, ist also bei den meisten vor allem eine Geldfrage. Der Wille, für diese Forderungen und seine Interessen auf die Straße zu gehen, ist bei den meisten auf definitiv da, so wie auch bei Nadja, Lukas und Chris: „Auf jeden Fall würden wir auch unbefristet streiken! Wenn das bei uns hier so weiter geht, muss man auch zu härteren Maßnahmen greifen!“

In diesem Sinne:

Für eine Lohnerhöhung um 5,5%!

Tabellenwirksame 175€ für alle!

Für eine Eindämmung der Befristungspraxis!

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